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Ein Chef, den jeder gerne hätte

Richard Wherlock begeistert das Basler Ballettpublikum seit 15 Jahren immer wieder aufs Neue

BaZ, 04.04.2016 / von Judith Opferkuch

Das Motto des Basler Ballettdirektors Richard Wherlock, «Nichts ist besser, als es zu tun – und es zu lieben», bestimmt nicht nur jede Inszenierung, die unter seiner künstlerischen Leitung entsteht, sondern auch den besonderen Jubiläumsabend am Samstag. Während fast vier Stunden durfte das mehrheitlich heimische Publikum – oder Wherlocks Fangemeinde – seine Erinnerungen an die letzten 15 Jahre auffrischen. Ausserdem wurden zwei Stücke uraufgeführt, die im Kulturaustausch mit dem Seoul Ballet Theatre entstanden. Der Abend kam einem Augenschmaus gleich. Wherlocks 30 Tänzerinnen und Tänzer aus aller Welt brillierten wahrlich und bewiesen einmal mehr ihre technische Stärke und Vielseitigkeit. Die diversen Reminiszenzen wechselten in unregelmässigem Abstand mit kurzen Dokumentarfilmen. Diese thematisierten den Menschen und Choreografen Richard Wherlock und schufen eine ungewohnte Nähe zum allseits beliebten Ballettchef. So wurde Wherlock beispielsweise beim Trainieren körperlich behinderter Kinder gezeigt. Das Projekt wurde im Sommer 2014 durchgeführt und vom Kinderspital beider Basel (UKBB) und der Stiftung Pro UKBB unterstützt. Die darauffolgende Aufführung auf der Grossen Bühne, ausschliesslich für Eltern und Angehörige, begeisterte und berührte gleichermassen – auch auf Video.

Neoklassisch, zeitgenössisch

In anderen Kurzfilmen kamen Mitglieder der Tanztruppe zur Sprache. Dabei stellte sich heraus, dass der charmante und schalkhafte Direktor seine Tänzer täglich neu herausfordere, ein rasantes Tempo erwarte und voller Überraschungen sei. Sein Stil sei dynamisch, organisch und voller «Passion», kurz: Wherlock sei der Chef, denn alle gerne hätten. Man spürt trotz harter Studioarbeit den Enthusiasmus, den sowohl der Choreograf als auch seine Company beim gemeinsamen Erarbeiten einer Inszenierung versprühen.

Persönlichkeiten aus Kunst und Politik, wie Christoph Eymann oder Barbara Schneider, Michael Schindhelm, der Wherlock 2001 ans Theater Basel rief, diverse Gastchoreografen oder die Amerikanerin Cathy Sharp, die mit dem Cathy Sharp Dance Ensemble über Basel hinaus Bekanntheit erlangte, kamen ebenfalls zu Wort. Das Credo bleibt dasselbe: Richard Wherlock und seine Ermöglicher, die Tänzer, werden in den höchsten Tönen gelobt.

Die Besonderheit des Basler Balletts beruht auf der Durchmischung von neoklassischem und zeitgenössischem Tanz. Das moderne, ausdrucksvolle Bewegungsrepertoire ist durchwirkt mit klassischen, höchst technischen Tanzelementen, die man aus früheren Inszenierungen, etwa von Heinz Spoerli, kennt – mit dem Unterschied, dass Wherlock auf Spitzen verzichtet. Durch die Perfektionierung dieses Stils gliedert sich das Ballett Basel in die Weltelite ein und wird mit dem Nederlands Dans Theater oder dem Cullberg Ballet aus Schweden verglichen.

Selbst wenn man die imponierende, zuweilen etwas obsolet erscheinende Ästhetik des rein klassischen Balletts liebt, vermisst man bei Wherlock nicht das Geringste, denn er fügt seinen Choreografien ein Element hinzu, das den Tanz dem Publikum näherbringt, und zwar auch bei tragischen Inszenierungen: Humor. So etwa bei den sieben Zwergen in «Snow White» (2013) oder der jüngsten Meisterleistung «Tewje».

Ähnlich verhält es sich mit Aufführungen der – ausschliesslich männlichen – Gastchoreografen. «Rooster» (2008), eine an Salsatanz erinnernde Inszenierung des Briten Christopher Bruce zu Musik der Rolling Stones, demonstriert nebst äusserst kunstfertigen Tanzabläufen ebenfalls viel Witz. Der schwedische Choreograf Alexander Ekman treibt den zeitgenössischen Charakter des Basler Balletts etwas weiter, wie der Ausschnitt aus «Flockwork» (2013) vor Augen führt: viel Rhythmus, wenig herkömmlicher Tanz, viel Schalk – aus einem Transistorradio erklingen, schwach hörbar, hawaiianische Klänge.

Die Präzision der sechs Tänzer aus Seoul, die in «Snip Shot» zu Bach tanzen, ist beeindruckend, vor allem angesichts der Tatsache, dass sie mit Wherlock mit einem Choreografen arbeiteten, dessen Stil ihnen unvertraut war. Doch auch die Basler Tänzer glänzen in «Voice In The Wind», das sie mit dem Koreaner James Jeon einstudierten. Das moderne, von Elektromusik und asiatischem Touch durchwobene Stück fand beim Publikum grossen Anklang.

Nach schier unaufhörlichem Applaus und einem dankbaren Richard Wherlock auf der Bühne fand der Abend seinen Abschluss. Auf weitere 15 Jahre, Sir Richard!