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BaZ zur Première von "Blaubarts Geheimnis"

Quelle: BaZ vom 31.03.2014 - Franziska Laur
BaZ zur Première von "Blaubarts Geheimnis"

Bild: Ismael Lorenzo

Sprünge zum Grauen und ans Licht

Der Erfolg des Balletts «Blaubarts Geheimnis» liegt nicht zuletzt an der klugen Musikauswahl

Katzenhafte Bewegungen, kraftvoll, geschmeidig, manchmal stereotyp: Paare tanzen auf der grossen Theaterbühne das uralte Ritual der Liebe, Momente von Annäherung und Abstossung, Spiele von Dominanz und Unterwerfung. Im Ballett von Stephan Thoss geht es um menschliche Urinstinkte und die Bereitschaft, sich in unbekannte Tiefen fallen zu lassen.

In Teil eins des Abends zeigen Liebende den Tanz von Annäherung und Ablehnung, zelebrieren das Spiel der Einsamen und der Verbundenen in der Fulminanz der Bewegung zu den Präludien des polnischen Komponisten Henryk Górecki. Herzzerreissende Szenen ereignen sich zu dunklen Streichermelodien, Tragödien, wenn ein Paar, in verzweifelter Gemeinsamkeit, mit dem Rücken zur Wand langsam zu Boden sinkt. Oder wenn er in Zeitlupe mit Riesenschritten vor ihr fliegen will, während sie sich vor Sehnsucht krümmt und wälzt. In verzerrter Perspektive präsentiert sich die Bühne, mit nach unten hin offenen Wänden. In Schräglage schreitet eine Person voran, während auf der anderen Seite ein Mann im blutroten Gewand kopfüber hängt. Auch Bühne und Kostüme stammen von Stephan Thoss.

Dominanz und Herrschaft

Am Schluss dieses atemlosen Tanzreigens sind Blaubart und Judith ein Paar geworden. Er bringt sie auf sein Schloss, wo sie auf seine Mutter trifft. Es folgen subtile Kämpfe um Dominanz und Herrschaft. Zunehmend muss sich Judith mit einer lieblosen Mutter und der dunklen Vergangenheit ihres Mannes auseinandersetzen.

Die Zimmer des Schlosses verwandeln sich, gleichsam auf einer Reise durch die psychische Welt der Hauptdarsteller. In einem irren Tanz zwischen Sich-Sehnen und Abstossung versuchen sich Judith (Andrea Tortosa Vidal) und Blaubart (Javier Rodriguez Cobos) zu finden. Während Judith auf ihrer Reise zu ihren femininen Urkräften vordringt, repräsentiert die Blaubartfigur eine verdrängte mörderische Energie, die am Rande des Bewusstseins der Menschen auf die Gelegenheit wartet, Widerstand gegen jede Entwicklung zu leisten.

In der Interpretation von Stephan Thoss lernt Judith ihren Mann mit jedem Türchen, das sie öffnet, besser verstehen und akzeptieren. Damit ist die Choreografie eine zahme Version des Originalmärchens, wo es um einiges blutrünstiger zugeht. Dort will Blaubart seine neugierige, junge Ehefrau töten, weil sie sein dunkles Geheimnis entdeckt und ihre von ihm ermordeten Vorgängerinnen findet.

Das Ballettensemble Basel überzeugte und profitierte von der fantastischen Kostümierung. Einmalig der Anblick, als sich mehrere Frauen im schwarz-metallisch schimmernden Kostüm auf der Bühne wiegen, mittendrin Judith in ihrem sonnengelben Kleid als Lichtgestalt, wildentschlossen, ihren Gatten aus seiner Gnadenlosigkeit ans Licht zu holen.

Thoss und sein musikalischer Leiter Giuliano Betta haben sich im zweiten Teil für Kompositionen von Philip Glass entschieden und daran haben sie gut getan. Mit kraftvollen Sprüngen durchbricht Judith zu den Klängen des Orchesters den Teufelskreis der Verbannung aus den Lichtwelten und der Einsamkeit ihres Gatten. Sie und Blaubart tanzen zum Schluss in eine ungewisse Zukunft. Das Premierenpublikum war begeistert.