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BaZ zur PremIère von «Dance Talks»

Quelle: BaZ vom 04.10.2014 von Heinz Eckert
BaZ zur PremIère von «Dance Talks»

Foto: Ismael Lorenzo

Jugendbild, Hommage und Porträt

Ein gelungener Start des Basler Balletts in die neue Saison mit «Dance Talks»

Wolkenwelten, Streifenraster, Black Box und darüber eingeblendet eine halbnackte Frau in Grossprojektion – greifend, wendend, drehend und mit verstörendem Blick ist die weibliche Figur auf ungewisser Suche. Nach Liebe? Nach dem Sinn des Lebens? Sie wirkt in ihrer Dominanz dermassen eindringlich, dass sie ihrem lebendigen Alter Ego, das sich auf der Bühne zu aufwühlender Streichermusik windet, beinahe die Schau stiehlt.

«Cel Black Days» heisst die erste Choreografie des dreiteiligen neuen Ballettabends im Theater Basel und ist eine Arbeit des 1987 in Paris geborenen Jean-Philippe Dury. Bis vor wenigen Jahren tanzte Dury noch selber – unter anderem auch als «Coryphée» des Balletts der Pariser Oper. Heute ist er künstlerischer Leiter seiner eigenen Compagnie in Madrid.

«Die Jugend ist kein Lebensabschnitt, sie ist ein Geisteszustand, ein Effekt der Willenskraft, eine Qualität der Vorstellungskraft, eine empfindsame Intensität», sagt der junge Choreograf und wollte eben diesen Zustand tänzerisch umsetzen. Seine Jugend kennt keinen Spass, ist nicht konsumorientiert und weder optimistisch noch weltoffen. Sie ist gepeinigt von Zweifeln, Hoffnungslosigkeit und Ängsten.

Und welche Musik könnte diese Düsternis besser ausdrücken als die peitschende Komposition der jungen isländischen Cellistin und Komponistin Hildur Guonadottir, die ihr eigenes Werk auch selber spielt: eine musikalische Entdeckung! Unterstützt von starken Lichteffekten und eindrücklichen Projektionen – Cel ist der englische Begriff für eine Animationstechnik auf durchsichtiger Folie – ist Jean-Philippe Dury ein eindrückliches Werk gelungen, das seine Höhepunkte in den intensiven Pas de deux hat.

Hommage an Dusty Springfield

Fröhlicher und bunter geht es im zweiten Teil des Abends zu, der vom Basler Ballettdirektor Richard Wherlock bestritten wird und ihn als Fan der britischen Popsängerin Dusty Springfield offenbart. Ihr wurde attestiert, die einzige weisse Sängerin mit einer schwarzen Bluesstimme zu sein. «The White Queen of Soul» war eine der erfolgreichsten Sängerinnen Grossbritanniens, sie starb nach einem wechselvollen Privatleben 1999 mit 60 Jahren.

Zu Dusty Springfields Songs lässt Richard Wherlock seine Tänzerinnen und Tänzer in psychedelisch-bunten Kleidern und entsprechendem Bühnenbild die Sechzigerjahre aufleben. Die Protagonisten tanzen, was die Füsse hergeben, und lassen Erinnerungen an längst vergangene Fernsehzeiten aufkommen – damals, als in den grossen Unterhaltungssendungen am Samstagabend das ZDF-Fernsehballett noch zu den Höhepunkten zählte. Wherlocks «Straight to the Heart» ist eine Hommage an eine grosse Sängerin und gute Unterhaltung zum Wohlfühlen, aber es hätten auch zwei Songs weniger sein können.

Ed Wubbes Holland

Schwergewichtiger wird es dann wieder im dritten Teil nach der Pause, in dem Ed Wubbe seine Heimat Holland choreografisch porträtiert. Dabei ist Wubbe tief in die holländische Vergangenheit und in die Kunstgeschichte eingedrungen, hat sich von dramatischen Wolkenbildern alter Meister und vor allem von Jan van Eycks Porträt «Der Mann mit dem roten Turban» beeindrucken lassen. Und so lässt er vor einer opulent-dramatischen Himmelsdarstellung und unter bunten Tulpen tanzen, dem Symbol des holländischen Unternehmensgeistes schlechthin. Die Tänzerinnen und Tänzer tragen Kostüme wie sie auf den Bildern der alten Meister zu sehen sind, und selbstverständlich fehlt auch der Turban nicht.

Die Musik stammt vom finnischen Akkordeonvirtuosen Kimmo Pohjonen und dem französischen Schlagzeuger Eric Echampard, ergänzt durch ein Violinsolo Niccolò Paganinis und unterbrochen durch Fabian Smiths Komposition für Harmonium, live auf der Bühne gespielt von Maria Bugova. Ebenso virtuos wie die Musik ist Ed Wubbes Choreografie. Er lässt die Tänzerinnen und Tänzer zittern und wogen, als ob sie im Sturmwind stünden, kongenial zur Musik und den persönlichen Eindrücken, die uns der niederländische Künstler vermittelt.

Das Basler Ballett zeigte sich in allen drei Choreografien in Höchstform und durfte den berechtigten Jubel des Premierenpublikums entgegennehmen. Und Ballettdirektor Richard Wherlock ist es einmal mehr gelungen, für Basel neue, spannende Choreografen zu entdecken und deren Werke hier zur schweizerischen Erstaufführung zu bringen.