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BaZ zur Première von DanceLab4

Atemberaubende Körperbeherrschung - Im «Dance Lab 4» zeigen sechs Tänzer ihre eigenen Choreografien Quelle: BaZ, 10.06.2012 / Julia Voegelin

Violett, dazwischen entfaltet sich eine ganze Palette von speziellen Farbnuancen – das «Dance Lab 4», die Werkschau, in der die Tänzerinnen und Tänzer des Ballett Basel ihre Rolle gegen die des Choreografen tauschen. Und so die Möglichkeit haben, ihre choreografischen Ideen umzusetzen und dem Publikum zu präsentieren. Fünf Tänzer und eine Tänzerin haben sich an dieses Experiment gewagt. Entstanden sind sechs verschiedene, ausdrucksstarke Tanzstücke, die alle eine eigene Handschrift aufweisen.

Besonders eindrücklich zeigt dies die Choreografie von Vitali Safronkine, der mit «Reflejos» (Reflektion) ein temporeiches, neoklassisches Tanzstück entworfen hat. Die lineare Musik von Philip Glass unterstützt die ebenso klaren Strukturen des Tanzes, die sich im Pas de Deux spiegeln und in der Gruppe wiederholen. Die kurzen, gelben Shorts und luftigen Oberteile unterstreichen die exakten Bewegungen, die die Tänzer mit jeder Faser des Körpers ausloten. Die Bühne (Cornelia Schmid) wird für jede der sechs Choreografien kurz umgebaut – einfach, aber wirkungsvoll.

Grosser Kontrast Im Gegensatz zu einem klassischen Ballett stellen moderne Tanzstücke selten den Anspruch, eine Handlung zu erzählen. Oft liegt der Arbeit des Choreografen mehr ein Gefühl, eine Erinnerung, ein Erlebnis zugrunde, auf dem er die Tanzschrift aufbaut. Bei Sergio Bustinduys «Emotions» trifft beides zu. Der Spanier, der seit mehr als zehn Jahren beim Ballett Basel tanzt, erzählt in einer eckigen, verworrenen Tanzpartitur eine bei der Geburt beginnende Geschichte zweier Liebenden. Die Eltern aber sind nicht einverstanden mit dieser jungen Liebe. Die beiden müssen sich anpassen, ihr Anders-Sein verbergen, sich fügen – den Eltern, der Gesellschaft. Ein Drama, dessen Ausgang offen bleibt. Aber eine Emotion zurücklässt. Und die steht im krassen Gegensatz zum Stück von Javier Rodriguez Cobos, ebenfalls ein Spanier, der die Frauen anscheinend bestens versteht. In seinem folkloristisch angehauchten «Al Calor de Lucia» streicht zu Beginn ein Duft von Lavendel über das Publikum, das so in mediterrane Gefilde versetzt wird. Als dann die Tänzerinnen in langen, farbigen Röcken zur Musik von Paco de Lucia beginnen, temperamentvoll die Hüften zu kreisen und verführerische Blicke zu werfen, sind wir endgültig in Andalusien angekommen, der Geburtstätte des Flamencos.

Reife Werke «Al Calor de Lucia» ist ein Stück über heissblütige Frauen aus dem Süden, die sich an einem lauen Sommerabend treffen – und tratschen. Männergeschichten werden ausgebreitet, Wortfetzen und Röcke fliegen durch die Luft. Choreograf Cobos verwebt Modern Dance und Flamenco auf eine spielerische Art, die erfrischt.

Die reifsten Werke zeigen Sol Bilbao Lucuix mit «Sinus» und Roderick George mit «Violet Blood». Fabrizio di Salvo hat für die Choreografie der spanischen Tänzerin die Musik komponiert. Wummernde Bässe und dunkle, abgrundtiefe Klänge begleiten die energievolle Gruppenchoreografie, die durch ihre dynamischen Formen und Bewegungen besticht.

Ausnahmetalent Roderick George zeigt zum Schluss noch mal einen ganz eigenen, speziellen Tanzstil. Wobei sein Tanz an Akrobatik grenzt und die Möglichkeiten der Physis des Menschen nahezu ausser Acht lässt – und das Publikum mit seiner schier unfassbaren Körperbeherrschung in Erstaunen versetzt. Die Zuschauer toben wild, während George eine Träne wegwischt.

Zum Glück gibt es so etwas wie das Dance Lab. Was die Tänzerinnen und Tänzer des Ballett Basel an diesem Abend zeigen, kommt von innen, die Bewegungen sind echt, gefüllt mit Gefühl bis in die Fingerspitzen – komplex, frisch und neugierig. Sie tanzen eine Sprache, die sie mit ihrer eigenen Note färben.