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NZZ über die Bachelor Contemporary Dance Zürich

Quelle: NZZ vom 8. Juni 2015 von Lili Weber

Hahn im Korb

Der Bachelor Contemporary Dance der ZHdK stellt sich vor

Der Mann hat es gut. Zehn junge Frauen stehen ihm zur Wahl – und das lässt er sie spüren. Sie swingen um ihn herum, wiegen die Hüften, wackeln mit den Schulten. Und wachsen damit über sich selbst hinaus. In mehrerer Hinsicht.

Aus anhimmelnden Girls werden in Richard Wherlocks „Martini“ selbstbewusste Frauen, die den Mann links stehen lassen. Und aus den Studierenden des BA Contemporary Dance der ZHdK werden an dem Abend im Theater der Künste kleine Kristalle, die, erst vorsichtig, zu funkeln beginnen.

Die vier gezeigten Stücke stellen sehr unterschiedliche Anforderungen an die Tänzerinnen und den Tänzer. Das entspricht dem Ziel, das sich der künstlerische Leiter Samuel Wuersten für den neuen Bachelor-Studiengang gesetzt hat. Dieser will vielseitige, technisch versierte Tänzerinnen und Tänzer ausbilden, die sich in verschiedene Stile und Ensembles einbringen können. In Martin Schläpfers Ausschnitt aus seinem schönen Ballett „Die Kunst der Fuge“ von 2002 müssen sich die Studierenden in eine bereits bestehende Form fügen. Hier zeigen sich unterschiedliche Fertigkeiten, die zum Teil von unterschiedlichen körperlichen Möglichkeiten herrühren, deutlicher. Während Arbeiten, die eigens für diesen Abend mit den Studierenden entstanden sind, mit den verschiedenen Möglichkeiten naturgemäss mehr zu spielen vermögen.

„My Angel rocks back and forth“ haben die Studierenden mit Romain Guion in einer dreiwöchigen Forschungsreise in die Bewegungsmöglichkeiten des Rückgrats erarbeitet. Neun Tänzerinnen und ein Tänzer hüpfen, robben, schleichen Tieren gleich über den Boden, wachsen auch hier, um sich dann in schnellen Drehungen fallen zu lassen. In Michael Schumachers „After Math“ verweben sie sich zu Brian Enos Klangschichten aus „Thursday Afternoon“ zu ständig, wechselnden Skulpturen, und gehen dann je wieder ihren eigenen Weg. Und mit „Martini“ verzaubern sie das Publikum zu den Evergreens von Henry Mancini. Unglaublich wie gut Wherlock den Groove der jungen Leute trifft und wie witzig er das Manko der Gruppe in eine Geschichte setzt. Auf zehn Frauen kommt nämlich nur ein Mann. Das werde sich ändern, sagt der administrative Leiter des Studienganges, Gianni Malfer. Im nächsten Jahrgang seien acht Männer dabei.