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Choreographien in einer einmaligen Kulissen (Quelle: BaZ vom 22.09.2015 / Franziska Laur)

Ballett in einer surrealen Parallelwelt


Tänzer des Ballettensembles zeigen auf dem Bruderholz Choreographien


Es ist ein Experiment, doch es bewährt sich. Vor ausverkauftem Haus war am Freitag zum ersten Mal in einer Uraufführung im ehemaligen Reservoir (Filter4) Tanz von Mitgliedern des Ballettensembles zu sehen – und drei von ihnen fungierten auch gleich als Choreografen. Ein See in der Mitte des grottenartigen Gebäudes, Sand und grossartige Performances. Diese Mischung bot den Rahmen für einen speziellen Abend, den die rund 300 Zuschauer mit Standing Ovations belohnten.


Javier Rodriguez Cobos lässt seine Choreografie «Sweet Dreams» langsam anlaufen, die Atmung im Gleichtakt mit dem Strömen des Wassers, die Körper rollen im Sand hin zum Wasser und wieder zurück, im Gleichklang des Atems – ein, aus. Dann tasten sich die Tänzer an das Spiel mit den Lichtkegeln heran, der See wirft Spiegelbilder der Protagonisten zurück. Der spritzende Sand deutet auf Fulminanz und nimmt den Tänzern die Sprungkraft, verleiht Tiefe in dieser schaurig-schönen Parallelwelt. Schneller, immer schneller wirbeln die Körper, wenden sich, sinken zu Boden, im Kampf, im Tempo, in der Körperlichkeit, pulsierendes blaues Scheinwerferlicht, dann lässt der sterbende Jack noch einmal den Sand rieseln und die Wogen schluchzen über ihn hinweg.
Im Innern des Gewölbes ist es kühl, doch mit Decken ist man wohl versorgt. Erlaubt ist auch, während der drei Choreografien herumzugehen. Die wenigsten Zuschauer nutzen das, allzu gebannt sind sie von dieser surrealen und wunderschönen Welt, die einst zum Filtern des Wassers für die Basler Bevölkerung genutzt wurde und heute im Dienste der Kultur steht.


Charlie Chaplins Speech
«Can I Say» von Debora Maiques Marin beginnt mit der summenden Plattennadel im Leerlauf und Tänzerinnen, die diese Leere mit ihren Bewegungen füllen, bevor die Suite No. 1 von Bach einsetzt und die eine Tänzerin runder, eleganter wirkt, während die andere in stakkatoartigen Bewegungen die Final Speech aus Charlie Chaplins «The Great Dictator» imitiert. Die Protagonisten kreieren ein Setting, indem sie ihre ganze Kraft innerhalb des tanzbaren Raums entfalten können – dabei setzen sie ihren Ausdruck und ihre Körpersprache ein. Jorge Carcia Pérez hingegen zeigt die ganze Palette des Balletts. Im Tanz ergreift seine Körpersprache das Rattern der Musik. Wohltuend das Schweigen, wenn nur der Körper spricht, die Angst, die Leere, die Spannkraft, die plötzlich erlischt.
Die Mitglieder des Ballettensembles Basel tasten sich an eine Karriere nach dem Tanz heran. Mit den Choreografien in der einmaligen Kulisse des iwb Filter4 haben sie einen entscheidenden Schritt getan. Es lohnt sich, die Darbietungen zu sehen, die in einer angenehmen Länge von je etwa 25 Minuten daherkommen und von Pausen unterbrochen werden. Es lohnt sich auch, sich warm anzuziehen, damit man in der 1600 Quadratmeter grossen Grotte nicht ins Frieren kommt.

Weitere Aufführungen: Do, 24. 9., und Fr, 25. 9., je 20 Uhr. www.iwbfilter4.ch