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Produktionen 2018 / 2019

Don't tell the kids

Tanzabend von Richard Wherlock. Mit Musik von The Velvet Underground. Uraufführung

Familie ist ein besonderes System: in sich geschlossen und doch nie von der Gesellschaft ausgenommen. Eine Gleichung mit vielen Unbekannten, die in nahezu unzählbarer Häufigkeit existiert und die man zu den ältesten Institutionen der Gesellschaft zählen kann. Die Familie ist für die meisten Menschen der Ursprungsort schlechthin, in dem sich im Kleinen alles ereignet. In seiner Versuchsanordnung lässt Richard Wherlock zwei Familien zwischen den Polen Autorität und Freiheitsdrang, zwischen Aufbegehren und Abgrenzung
die verschiedensten Szenarien durchdeklinieren und setzt sie in einen Rahmen, der sich während des Tanzstücks vor unseren Augen verwandelt und entwickelt. Der Choreograf inszeniert dieses tänzerische Kammerspiel zur Musik von «The Velvet Underground», einer experimentellen Rockband, die 1964 in New York City gegründet wurde. Mit Lou Reed als Sänger und an der Gitarre wurde die Band Protégée von Andy Warhol, der auch ihr erstes Album produzierte. Musikalische Ergänzung erfährt der Abend durch die Arrangements von Max Zachrisson, einem Ensemblemitglied des Ballett Theater Basel..

 

Première am 20. September 2017, 20:00 Uhr, Kleine Bühne

Carmen

Ballett von Johan Inger Mit Musik von Rodion Shchedrin, Georges Bizet und Marc Álvarez

Bekannt geworden ist Carmen als Opernheldin. Zum Ende des 19. Jahrhunderts ist mit der Figur der Carmen ein ganz neuer Frauentyp und damit eine ganz neue Art von Liebesbeziehung auf der Bühne erschienen. Während bis anhin, besonders in der Opéra comique, Frauen als Spielball der Männer und des Schicksals auftraten,

leidend und unerschütterlich in ihrer moralischen Aufrichtigkeit, ist Carmen eine Frauenfigur, die ein nahezu skandalöses Verhalten an den Tag legt: Sie lebt und vor allem liebt intensiv und ganz und gar nach ihren eigenen Regeln. Furchtlos und freiheitsliebend gestaltet Carmen ihr Leben und ihre Beziehungen und muss am Ende sterben, weil andere ihre Freiheit nicht ertragen können.

Im Vordergrund von Johan Ingers abendfüllendem Handlungsballett steht das altbekannte Drama um Liebe und Eifersucht. Doch das «Carmen»-Ballett des Schweden, der 2017 für das Ballett Theater Basel «Peer Gynt» choreografierte, basiert nicht nur auf der Geschichte seiner weiblichen Protagonistin, sondern konzentriert sich, ähnlich wie in Prosper Mérimées literarischer Vorlage des Stoffes, auf Don José. Unfähig, den freien Geist seiner Geliebten zu
akzeptieren, führt ihn diese Liebe auf den Weg in eine emotionale Hölle: Eifersucht, Leidenschaft und Rache bestimmen sein Denken und Handeln. «Als ich diese Geschichte zum ersten Mal las, fiel mir auf, dass sie vor allem von Gewalt handelt», sagt Inger. Und so nimmt sein Ballett deutlich Stellung zu körperlicher Gewalt und ihren Konsequenzen. Zusätzlich lässt er das Geschehen von einem kleinen Jungen beobachten und lädt damit das Publikum ein, die Hauptperson mit den Augen eines Kindes neu zu entdecken.

Inger choreografiert seine «Carmen» hauptsächlich zur Musik von Rodion Shchedrin. Der 1932 in Moskau geborene Komponist arrangierte Bizets Opernmusik neu zu einer abendfüllenden Ballettmusik für seine Frau Maja Plissezkaja, einer langjährigen Primaballerina des Bolschoitheaters. Zusätzlich choreografiert Inger zu Musik von Marc Álvarez. Die technischen Resonanzklänge der eigens für dieses Stück geschriebenen und aufgenommenen Musiknummern des spanischen Komponisten nutzt Inger als Stimmungsträger für die introspektiven Sequenzen Don Josés.

2016 erhielt Johan Inger für seine «Carmen» den renommierten Prix Benois de la Danse.

(Uraufführung: Compañía Nacional de Danza, Madrid, 9. April 2015)

The Comedy of Error(z)

Ballett von Richard Wherlock nach William Shakespeare.Musik von Antony Genn Uraufführung/Auftragswerk

Shakespeares «Komödie der Irrungen» als Ballettabend? Das scheint im ersten Moment eine ungewöhnliche Kombination. Richard Wherlock will sich in seinem neuen Ballett mit Themen auseinandersetzen, die direkt mit unserer digitalen Lebenswirklichkeit verbunden und ebenso in Shakespeares Komödie zu finden sind: Verwirrung und Missverständnisse. Shakespeares «The Comedy of Errors» zählt zu den frühen Stücken des Autors. Es basiert auf einer Komödie des antiken römischen Dichters Plautus, dessen Verwechslungsspiel um die Zwillingsbrüder aber von Shakespeare verdoppelt wurde und in dem er zudem die psychologischen Konflikte verschärft hat. Diese doppelte Dopplung der Figuren bietet reichlich Stoff für Situationskomik und Possenspiel. Es entwickelt sich eine raffinierte Farce, bei der im jeweils richtigen Moment die jeweils falschen Partner aufeinandertreffen.

Neben «Othello» in der Überarbeitung von Nuran David Calis ist dies der zweite Stoff Shakespeares in dieser Spielzeit, der eine zeitgenössische Umschreibung und Neuinterpretation erfährt. Richard Wherlock choreografiert, inspiriert von Shakespeares Frühwerk, sein Ballett als schwindelerregendes und irrwitziges Verwechslungsfeuerwerk zur treibend-pulsierenden Musikpartitur des Musikers und Komponisten Antony Genn, der u. a. die Musik zur erfolgreichen englischen TV-Serie «Peaky Blinders» geschaffen hat.

Première am 3. Mai 2019