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Carmen

Ballett von Johan Inger Mit Musik von Rodion Shchedrin, Georges Bizet und Marc Álvarez

Bekannt geworden ist Carmen als Opernheldin. Zum Ende des 19. Jahrhunderts ist mit der Figur der Carmen ein ganz neuer Frauentyp und damit eine ganz neue Art von Liebesbeziehung auf der Bühne erschienen. Während bis anhin, besonders in der Opéra comique, Frauen als Spielball der Männer und des Schicksals auftraten,

leidend und unerschütterlich in ihrer moralischen Aufrichtigkeit, ist Carmen eine Frauenfigur, die ein nahezu skandalöses Verhalten an den Tag legt: Sie lebt und vor allem liebt intensiv und ganz und gar nach ihren eigenen Regeln. Furchtlos und freiheitsliebend gestaltet Carmen ihr Leben und ihre Beziehungen und muss am Ende sterben, weil andere ihre Freiheit nicht ertragen können.

Im Vordergrund von Johan Ingers abendfüllendem Handlungsballett steht das altbekannte Drama um Liebe und Eifersucht. Doch das «Carmen»-Ballett des Schweden, der 2017 für das Ballett Theater Basel «Peer Gynt» choreografierte, basiert nicht nur auf der Geschichte seiner weiblichen Protagonistin, sondern konzentriert sich, ähnlich wie in Prosper Mérimées literarischer Vorlage des Stoffes, auf Don José. Unfähig, den freien Geist seiner Geliebten zu
akzeptieren, führt ihn diese Liebe auf den Weg in eine emotionale Hölle: Eifersucht, Leidenschaft und Rache bestimmen sein Denken und Handeln. «Als ich diese Geschichte zum ersten Mal las, fiel mir auf, dass sie vor allem von Gewalt handelt», sagt Inger. Und so nimmt sein Ballett deutlich Stellung zu körperlicher Gewalt und ihren Konsequenzen. Zusätzlich lässt er das Geschehen von einem kleinen Jungen beobachten und lädt damit das Publikum ein, die Hauptperson mit den Augen eines Kindes neu zu entdecken.

Inger choreografiert seine «Carmen» hauptsächlich zur Musik von Rodion Shchedrin. Der 1932 in Moskau geborene Komponist arrangierte Bizets Opernmusik neu zu einer abendfüllenden Ballettmusik für seine Frau Maja Plissezkaja, einer langjährigen Primaballerina des Bolschoitheaters. Zusätzlich choreografiert Inger zu Musik von Marc Álvarez. Die technischen Resonanzklänge der eigens für dieses Stück geschriebenen und aufgenommenen Musiknummern des spanischen Komponisten nutzt Inger als Stimmungsträger für die introspektiven Sequenzen Don Josés.

2016 erhielt Johan Inger für seine «Carmen» den renommierten Prix Benois de la Danse.

(Uraufführung: Compañía Nacional de Danza, Madrid, 9. April 2015)